Mangelhafte Qualität konventioneller Studien

Folgende Erhebungen illustrieren beispielhaft die oft mangelhafte Qualität konventioneller Arzneimittelstudien:

1.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes, es ging um die Erarbeitung von Empfehlungen zum Umgang mit fünf häufig verordneten Medikamentengruppen bei älteren Patienten, wurde die Qualität der relevanten Studien analysiert („Polypharmacy – Reduction of Inappropriate Medication and Adverse drug events by electronic Decision Support”). Schon wegen des erheblichen Nebenwirkungspotenzials dieser Medikamente ist davon auszugehen, dass es rationale Gründe für die Verschreibung auf der Basis von qualitativ guten, methodisch hochwertigen Studien geben sollte.

Die Autoren konnten lediglich bei acht von 110 eingeschlossenen wissenschaftlichen Arbeiten eine methodisch hohe Qualität identifizieren. Sie ziehen daraus die Schlussfolgerung: „Wissenschaftliche Arbeiten in der medizinisch-klinischen Arzneimittelforschung weisen gravierende Qualitätsmängel auf, wodurch es bei identischen Fragestellungen zu diskrepanten Bewertungen kommt. Dies führt nicht nur zu einer erheblichen Gefährdung von Patienten, sondern auch zu einer inakzeptablen Vergeudung von Ressourcen, sowohl im wissenschaftlichen als auch im klinischen Bereich“ (6).

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2.

Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem, von dem sehr viele Menschen betroffen sind. Die damit verbundene Zahl von Krankheitsausfällen steht Jahr für Jahr ganz weit oben in der Statistik der Arbeitsunfähigkeitsdiagnosen. Man könnte also davon ausgehen, dass es bei einer derart häufigen und volkswirtschaftlich bedeutsamen Erkrankung gesichertes Wissen gibt, auf dem Behandlungsmaßnahmen aufbauen können.

Eine 2020 veröffentlichte Arbeit analysiert die Qualität von 53 Zusammenfassungen von Studien, die zwischen 2015 und 2019 zu dem Thema erschienen sind. Im Schnitt kamen die ausgewerteten Arbeiten auf lediglich drei von sieben Qualitätsmerkmalen. Die Autoren ziehen das Fazit, dass „die Quantität und Qualität der Evidenz häufig als unzureichend für die Formulierung robuste Schlussfolgerungen“ zu bewerten ist.

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Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen: Evidence Map über systematische Reviews von 2015 bis 2019

3.

Fieber ist ein häufiges Krankheitszeichen, es tritt bei vielen verschiedenen Erkrankungen auf. Die Frage, ob im Krankheitsfall das Fieber medikamentös gesenkt werden sollte und wenn ja, ab welcher Körpertemperatur, wird unter Laien und Fachleuten kontrovers, zum Teil sehr hitzig, diskutiert.

Eine Auswertung aus dem Jahr 2022 fasst 42 Studien zu diesem Thema zusammen. Diese Metaanalyse findet keinen Effekt einer Fiebersenkung auf Todesfälle oder schwere Komplikationen durch die erhöhte Körpertemperatur. Auch die Lebensqualität wird nicht beeinflusst. In Hinblick auf die Qualität der vorliegenden Studien zu diesem wichtigen Thema kommen die Autoren zu dem Schluss, dass keine Studie von hoher methodischer Qualität ist. Alle Studien weisen ein mittleres oder hohes Risiko für Verzerrungen auf.

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